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DAS INDISCHE GRABMAL nun auch bei „soforthoeren.de“
Das Hörbuch Das indische Grabmal, nach dem Roman von Thea von Harbou aus dem Jahr 1918, bildete 2007 den Auftakt zu der Reihe Filme zum Hören, die darauf zielt, die literarischen Werke, die hinter populären Filmklassikern stehen, in Form eines neuen Mediums wieder in den Blick zu nehmen bzw. diesen Gehör zu verschaffen. Die Lesung des erfahrenen Schauspielers und Regisseurs Rudolf Marnitz folgte dabei dem ungekürzten Text der Erstausgabe des Buches, der jedoch an einigen wenigen Stellen dem heutigen Sprachgebrauch angepasst wurde. Das Hörbuch mit einer Spielzeit von 6:25 h und einer Dateigröße von 425 MB steht nun auch bei dem Internet-Portal http://www.soforthoeren.de zum Download bereit. Bitte folgen Sie diesem Link: Download DAS INDISCHE GRABMALAls Nr. 3 der Reihe Filme zum Hören erscheint im Dezember 2009 das Hörbuch Dr. Mabuse, der Spieler, nach dem Roman von Norbert Jacques, den Thea von Harbou und Fritz Lang 1922 in zwei Teilen kongenial verfilmten.
“Madam, why don´t you make a film about Bose…!”
von Dr. Lothar Günther
„In an unusual gesture, Dr. Goebbels held a special gettogether of leading German and foreign journalists, to meet some of us from Netajis personal staff. Finding me and Thea von Harbou, who was among the invitees, chatting, the Reichsminister for Propaganda and Public Enlightenment, (his official designation) wearing an unusual broad smile, butted in with words: Madam, why don´t you make a film about Bose. He would make a fine hero!”
Diese Episode aus dem Sommer 1942, als Thea von Harbou in indischer Begleitung auf Dr. Goebbels traf, überlieferte uns der Inder Dr. Mukund Ray Vyas in seinem 1982 in Bombay erschienenen Buch „Passage through a Turbulent Era“. Es war zu dieser Zeit wohl auch schon in führenden Kreisen des Dritten Reiches bekannt, dass Thea von Harbou die indischen Studenten und Freiheitskämpfer in Berlin materiell und politisch unterstützte. Mukund Ray Vyas hatte von 1941 bis 1943 offiziell an der Berliner „Friedrich-Wilhelms-Universität“ das Fach Auslandswissenschaften belegt, aber sich schon Ende 1941 dem indischen Freiheitskämpfer Subhas Chandra Bose angeschlossen, für den er aufgrund seiner guten Sprachkenntnisse als Dolmetscher und Persönlicher Referent arbeitete. Als Adolf Hitler am 29. Mai 1942 endlich nach über einem Jahr Wartezeit Subhas Chandra Bose in seiner „Wolfsschanze“ empfing, hatte dieses Gespräch für Bose positive wie negative Auswirkungen. Auf der einen Seite waren damit protokollarische und gesellschaftliche Schranken aufgehoben und führende Minister der Regierung gaben sich jetzt ebenfalls die Ehre, Subhas Chandra Bose zu empfangen oder einzuladen und diese Haltung auf die Mitarbeiter der „Zentrale Freies Indien“ auszudehnen. Andererseits wurde es Bose klar, dass der deutsche 'Führer' niemals eine Erklärung für die Unabhängigkeit Indiens von britischer Kolonialherrschaft und danach abgeben würde. Bei aller Unterstützung der deutschen Seite für die „Zentrale Freies Indien“ und deren Propagandatätigkeit nach Indien sowie für den Aufbau der „Indischen Legion“, änderte Hitler seine insgesamt negative Meinung über den Freiheitskampf der Inder gegen die britische Herrschaft nicht. Das führte Bose zu der Entscheidung, im März 1943 nach Südostasien zu gehen und die größere politische und militärische Hilfe der Japaner anzunehmen, auch um den Preis der Trennung von seiner Frau Emilie Schenkl (beide hatten nach indischem Ritual geheiratet) und der gerade geborenen gemeinsamen Tochter Anita.
Sie war "viel mehr" als nur die Ehefrau des Regisseurs Fritz Lang!
Zu einem Vortrag und einem Stummfilm mit Livemusik hatte das Filmmuseum Potsdam für den 18. September eingeladen. Die Einführung zu Thea von Harbou und die Vorstellung von Andre Kagelmanns Buch Der Krieg und die Frau. Thea von Harbous Erzählwerk zum Ersten Weltkrieg begann um 19:00 Uhr in Anwesenheit des Urgroßneffen Kai von Harbou. Um 20:00 Uhr wurde dann der Stummfilm Das indische Grabmal, Teil 1: Die Sendung des Yoghi, gezeigt. An der Welte-Kinoorgel spielte Helmut Schulte. Über den Vortrag von Andre Kagelmann mit dem Titel Ein ‚Grabmal‘ im Weltkrieg informieren wir demnächst!
Realismus als Phantastik oder Warum man ein Grabmal umbaut
Anmerkungen zu Thea von Harbou als Schriftstellerin im Krieg von Andre Kagelmann
Am 18. September 2009 veranstaltet das 'Filmmuseum Potsdam' einen Abend über Thea von Harbou. Dieser Text dient der 'Einstimmung' auf die Veranstaltung. Thea von Harbous Roman Das Indische Grabmal, der 1917 vollendet und 1918 veröffentlicht wurde, ist heute nahezu unbekannt. Doch die Geschichte, die darin erzählt wird, kennt man außerhalb von cineastischen Zirkeln vor allem noch durch die Verfilmung von Fritz Lang (1958/59); Richard Eichbergs Version (1937) ist hingegen zu Recht weitestgehend vergessen. Aber bereits 1921 ‚erbaute’ Joe May das indische Grabmal auf Zelluloid – und diese erste filmische Adaption des Romans war künstlerisch auch die gelungenste; Drehbuchautoren waren übrigens Thea von Harbou (1888-1954) und ein gewisser Fritz Lang …
Wenn nun die Romanautorin selbst am Drehbuch beteiligt ist, so kann man eigentlich davon ausgehen, dass sich Roman- und Filmhandlung weitgehend gleichen. In diesem Fall jedoch erfuhr der Plot um das indische Grabmal eine bedeutsame Änderung: So ist es zwar im literarischen und im filmischen Text die Aufgabe des Romanhelden, einer durchaus noch gar nicht so toten Maharani den Ort ihrer baldigen letzten Ruhe zu gestalten. Doch was im Roman noch ein Traum war, wurde im Film zur phantastischen Realität, das Grabmal wurde also gewissermaßen umgebaut. So erzählt die Geschichte nun nicht mehr von dem Traumgebilde eines Fieberkranken Architekten, sondern verkörpert, um mit Todorov zu sprechen, die Konfrontation mit dem Unheimlichen und Wunderbaren in der Realität dieser Welt: Der Traum entwickelt sich zur Realität, die Realität aber wird phantastisch …
Von welcher Realität respektive von welchen Realitäten ist aber hier die Rede? 1917 jedenfalls, dem Entstehungsjahr des Romans, war die Welt eine andere als 1921, dem Erscheinungsjahr des Films. Zwischen diesen vier Jahren liegt gewissermaßen eine Jahrhundert- und Epochengrenze, endete mit dem Ersten Weltkrieg doch das ‚lange’ 19. Jahrhundert, wie Eric Hobsbawm es nannte. Und Thomas Mann spricht in seinem Vorsatz zum Zauberberg vom Weltkrieg als „einer gewissen, Leben und Bewußtsein tief zerklüftenden Wende und Grenze“ (S. 9). – Überhaupt hatte die Literatur viel zu sagen zum Weltkriegsgeschehen, suchten die Schriftsteller doch, wie die Intellektuellen insgesamt, verlorenes gesellschaftliches Terrain ‚zurückzuerobern’: Der Kriegsbeginn und dieser Krieg selber forderten Erklärungen, Interpretationen und Sinndeutungen, v.a. auch deshalb, weil der Kampf des Menschen gegen den Menschen in den – bis dato unvorstellbaren – Materialschlachten eine neue Qualität erfuhr: Der Soldat wurde durch die Maschinisierung des Schlachtgeschehens selbst zum Material degradiert; gleichwohl blieb der Topos vom Helden zentral in der Kriegsliteratur, die zur Zeit des Weltkrieges geschrieben und gelesen wurde. Was aber während des Krieges gelesen wurde, ist nicht das, was wir heute zum Ersten Weltkrieg lesen: Wer kennt beispielsweise noch einstige Bestsellerautoren wie Hellmuth von Mücke, Günther Plüchow oder Joseph Magnus Wehner?
Und damit sind wir wieder bei Thea von Harbou angelangt, denn auch sie zählte zu den bekannten und viel gelesenen Schriftstellern des Weltkrieges. Der literarische Durchbruch gelang ihr mit einem Kriegsbuch, das bereits 1913 erschienen war: Von ihrem Bestseller Der Krieg und die Frauen konnte sie bis zum Kriegsende immerhin etwa 100.000 Exemplare verkaufen; es folgten bis zum Jahre 1917 noch acht weitere kriegsliterarische Schriften. Programmatisch zielten diese didaktischen Werke auf die Integration der Individuen in die ‚Opfergemeinschaft des deutschen Volkes’ und auf Erziehung zur unbedingten Pflichterfüllung gegen das Vaterland. Dabei betrieb Harbou eine strukturelle Gleichstellung von Mann und Frau über den Topos des geschlechtsspezifischen Opfers für das Vaterland.
Das Erstaunliche an Der Krieg und die Frauen war nun, das Thea von Harbou bereits 1913 Kriegsszenarien imaginierte, die mit dem Konstrukt des Augusterlebnisses von 1914 korrespondierten. Im Krieg brach sie jedoch ihre Kriegsliteraturproduktion ab und ließ beispielsweise einen ihrer Protagonisten von der Errichtung eines Grabmals in Indien träumen; die Schrecken des Krieges sind in diesem Werk so fern wie das Land. – Um also auf die unterschiedlichen Konstruktionen von Film und Roman zurückzukommen: Der Film führt letztlich nur konsequent fort, was schon im Roman angelegt ist, nämlich die Flucht aus der Realität und die Zuflucht im Phantastischen. Für Harbou jedenfalls scheint der Erste Weltkrieg schon Ende 1917 obsolet geworden zu sein.
Eine Frau liebt das Schlachtfeld
Mit freundlicher Erlaubnis des Journalisten Hanns-Georg Rodek veröffentlichen wir hier seine Besprechung des Buches Der Krieg und die Frau. Thea von Harbous Erzählwerk zum Ersten Weltkrieg (Autor: Andre Kagelmann), erschienen in der Berliner Morgenpost, Freitag, 26. Juni 2009.
Im "Weißen Band", das gerade als erster deutscher Film seit einem Vierteljahrhundert die Goldene Palme in Cannes gewann, zeichnet der Regisseur Michael Haneke das Bild eines norddeutschen Dorfes in den Jahren 1913/14.
In den letzten Monaten vor Ausbruch des Kriegs geht dort alles seinen patriarchalisch geordneten Gang. Der Weltenzusammenbruch kündigt sich nur leise durch merkwürdige "Unfälle" an. Die Kamera verweilt immer wieder in den Häusern, und in eines der Regale hätte Haneke das Buch "Der Krieg und die Frau" stellen können. 1913 publiziert, stellte es den Durchbruch für eine 24 Jahre junge Schriftstellerin dar; die Novellensammlung sollte es bis zum Kriegsende auf über 100 (!) Auflagen bringen. Heute kennt man Thea von Harbou als Drehbuchautorin von "Metropolis", als die Frau des Regisseurs Fritz Lang, die sich scheiden ließ, als er vor den Nazis floh, und die Goebbels Propagandafilme schrieb, so den "Herrscher", dargestellt von Emil Jannings und inszeniert von Veit Harlan. Der Name von Harbou hat heute, mehr als ein halbes Jahrhundert nach ihrem Tod, also immer noch einen Klang; es gibt eine Website (http://thea-von-harbou.blogspot.com), die ständig aktualisiert wird, und Andre Kagelmann hat ihr seine Dissertation gewidmet, die jetzt - unter dem gleichen Titel wie damals Harbous Roman - als Buch erschienen ist. Dies ist keine Biografie (eine Gesamtdarstellung ihres Lebens gibt es weiterhin nicht), sondern Kagelmann beschäftigt sich mit dem Thema "Krieg" im Werk der Schriftstellerin: immerhin neun Romane bis zum Ende des Ersten Weltkriegs, sowie Passagen in anderen Werken bis in die Fünfziger. Das Erstaunliche an "Der Krieg und die Frau" ist, dass von Harbou darin ein Jahr vor dem Ereignis detailliert beschreibt, was sich im August 1914 ereignen sollte: ein Volk, das in einen Taumel der Kriegsbegeisterung steigert und Zweifler hinwegschwemmt. Die Verwandlung einer Pazifistin beschreibt von Harbou so: "Wie sie auf die Straße in die Stadt hineingekommen war, das wusste Brigitte nicht. Sie fühlte nur, dass ihre ungläubige, zweifelnde Seele danach dürstete, diesem Wunder nahe zu sein - diesem unfasslichen, unsagbar schönen Wunder opferfreudiger Begeisterung." Darin finden sich viele der typisch Harbouschen Elemente: der deutsche Patriotismus, die Volksgemeinschaft, die opferbereite Frau. Außerdem glaubte sie fest an die Überlegenheit deutscher Kultur und reklamierte wie selbstverständlich für Deutschland Kolonien. Das mag aus heutiger Sicht indiskutabel sein, aber einer der Verdienste von Kagelmanns Buch besteht darin, uns begreiflich zu machen, dass dies damals politischer Mainstream war. Von Harbou selbst war ein lebender Widerspruch. Die Rassistin lebte im Dritten Reich offen mit einem Dunkelhäutigen zusammen (ein Inder, denen die Nazis das Ariertum zugestanden). Sie verdiente Hunderttausende und meldete sich doch freiwillig zum harten Dienst in der Munitionsfabrik. Und in ihrem letzten Roman "Gartenstraße 64", erschienen 1952, kommen der Kriegsbegeisterten endlich Zweifel: "Seit Tausenden von Jahren predigt man uns, dass es süß und ehrenvoll sei, fürs Vaterland zu sterben. Und jetzt? Jetzt wissen wir nicht, waren wir nun Helden? Oder Dummköpfe? Oder Verbrecher?" Andre Kagelmann: Der Krieg und die Frau. Thea von Harbous Erzählwerk zum Ersten Weltkrieg. MEDIA Net- Kassel. 361 Seiten, 29,90 Euro
Thea von Harbou: Lehrerin für Filmdarstellung
Über einen bisher unbekannten Arbeits- und Wirkungsbereich von Thea von Harbou berichtet die Schauspielerin Anneliese Uhlig. Sie lernte Thea von Harbou 1936 als Lehrerin für Filmdarstellung der Drama-Akademie der Reimann-Schule in Berlin kennen.
Anneliese Uhlig wurde am 27. August 1918 in Essen geboren. Ihre erste Filmrolle spielte sie in dem Film MANEGE (1937). Sie verkörperte die Artistin Maria Morell, an der Seite u.a. ihrer Kollegen Attila Hörbiger, Lucie Höflich und Albert Matterstock.  Bis zum Kriegsende 1945 folgten noch 13 Filme, darunter waren 1943 auch drei italienische Produktionen. 1945 lernte sie einen amerikanischen Offizier kennen, den sie heiratet. Sie war zunächst Produzentin und Regisseurin für den US-Special-Service in Salzburg, ab 1946 Auslandskorrespondentin in Italien, Österreich und den USA. In den 1950er Jahren trat Anneliese Uhlig auch wieder in der Bundesrepublik Deutschland gelegentlich im Film, Theater und Fernsehen auf.
Anneliese Uhlig lebt heute in Santa Cruz, Kalifornien. Ihre Anmerkungen über Thea von Harbou (und auch das Foto von Anneliese Uhlig) verdanken wir Herrn Guido Altendorf vom Filmmuseum Potsdam: filmstadt@filmmuseum-potsdam.de
Ein Abend über Thea von Harbou - im Filmmuseum Potsdam
Eine besondere Veranstaltung bietet am 18. Sept. 2009 das Filmmuseum Potsdam. Unter dem Titel Ein ‚Grabmal‘ im Weltkrieg - ein Abend über Thea von Harbou wird - ab 19:00 Uhr - das im Verlag MEDIA Net-Edition erschienene Buch Der Krieg und die Frau. Thea von Harbous Erzählwerk zum Ersten Weltkrieg von Andre Kagelmann vorgestellt, anschließend - ab 20:00 Uhr - der erste Teil des zweiteiligen Stummfilms Das indische Grabmal aus dem Jahr 1921 gezeigt: Die Sendung des Yoghi. Dieser Stummfilm wird an der historischen Welte-Kinoorgel von Helmut Schulte begleitet.
Den zweiten Teil des Films, Der Tiger von Eschnapur, zeigt das Filmmuseum dann am Sonntag, den 20.9.20009. Beginn der Veranstaltung ist hier 18:00 Uhr.
In seinem Buch Der Krieg und die Frau. Thea von Harbous Erzählwerk zum Ersten Weltkrieg nimmt der Autor Andre Kagelmann zum ersten Mal systematisch die ‚vergessene Schriftstellerin‘ in den Blick und fokussiert ihre zur Zeit des Ersten Weltkrieges teilweise kanonisierte Kriegsliteratur. Neben einem grundsätzlichen Beitrag zur Erforschung von Kriegsliteratur (von Frauen) bietet das Buch auch eine literaturwissenschaftliche Perspektiverweiterung zu den Forschungen der Filmwissenschaft zum Werk der Thea von Harbou und versteht sich als ergänzende Forschungsarbeit zu Person und Oeuvre. Besonderes Augenmerk wird auf die Biografie der Autorin gelegt; dabei werden auch ihr Leben und Wirken in der Zeit des Nationalsozialismus berücksichtigt. Weitere Informationen über die Veranstaltung finden Sie rechtzeitig im Kinoprogramm sowie auf der Webseite des Filmmuseums. Die Adresse des Filmmuseums sowie weitere Informationen über das Museum finden Sie hier: http:www.filmmuseum-potsdam.de Ein Bestellformular für das Buch Der Krieg und die Frau. Thea von Harbous Erzählwerk zum Ersten Weltkrieg finden Sie hier!
Der Krieg und die Frau. Thea von Harbous Erzählwerk zum Ersten Weltkrieg
Das haben Sie sich ganz sicher auch schon mal gefragt, das hat Sie wahrscheinlich die eine oder andere Nacht nicht schlafen lassen: Was macht wohl so ein Bloggerfürst jun. wie Andre Kagelmann, wenn er selber gerade nicht blogt oder damit beschäftigt ist, bei Meister Matussek in die Abendschule zu gehen und von Onkel Kluge zu spicken? – Die Antwort ist so naheliegend wie verschollene Metropolis-Fragmente: Er schreibt ganz einfach eine Dissertation über seine Lieblingsfrau (gelogen!), läßt ein Umschlagbild malen (auch gelogen!) und verkauft Ihnen das alles zu einem unschlagbar günstigen Preis! – Aber jetzt mal ganz ernsthaft:
Thea von Harbou (1888-1954) ist heute vor allem als Drehbuchautorin der Stummfilmzeit bzw. der Weimarer Republik sowie als Ehefrau von Fritz Lang bekannt. Seine Dissertation Der Krieg und die Frau. Thea von Harbous Erzählwerk zum Ersten Weltkrieg nimmt hingegen zum ersten Mal systematisch die 'vergessene Schriftstellerin' in den Blick und fokussiert ihre teilweise kanonisierte Kriegsliteratur. Kontextualisiert wird die Erzähltextanalyse dieser Werke – neben der Verortung im Œuvre – durch eine thematische und strukturelle Erfassung der Entwicklungslinien der Kriegsliteratur des Ersten Weltkriegs, v. a. der von Frauen. Außerdem wird besonderes Augenmerk auf die Biographie der Autorin gelegt; dabei werden auch Thea von Harbous Leben und Wirken in der Zeit des Nationalsozialismus berücksichtigt. Die Arbeit leistet, neben einem grundsätzlichen Beitrag zur Erforschung von Kriegsliteratur (von Frauen), somit auch eine literaturwissenschaftliche Perspektiverweiterung zu den filmwissenschaftlichen Forschungen zum Werk Thea von Harbous und versteht sich als ergänzende Forschungsarbeit zu Person und Œuvre. Und da sich das alles viel weniger schlimm liest, als es hier buchstabiert wird, können Sie die Arbeit, die jetzt im Verlag Media Net-Edition Anfang Mai 2009 erscheint, sogleich bestellen. Sofort!
Norbert Jacques’ Tochter erzählt (II)
Kaum gönnen wir Ihnen eine Pause zum Atemholen, schon geht es in unserer am 23. April 2007 so hoffnungsvoll begonnenen Audioreihe weiter: Mit Das Testament des Dr. Mabuse endete, wie damals schon gesagt, im Jahr 1933 Fritz Langs und Thea von Harbous gemeinsames Eheprojekt, das schon lange nur noch eine reine Filmgemeinschaft war. - Wer übrigens wissen will, wie es garantiert nicht gewesen ist, der greife zu Howard A. Rodmans lesenswertem Roman Langopolis.
Der Regisseur jedenfalls hatte in der Zwischenzeit u.a. mit Gerda Maurus, der Frau im Mond, angebändelt, während seine spätere Exautorin die große Liebe ihres Lebens kennenlernte, den in Berlin promovierenden Inder Ayi Tendulkar. Der fläzte sich, als Jacqueline Hannighofer die Berliner Villa Harbous betrat, um Madame zu kosmetisieren, mitunter lässig auf dem Nibelungenbette. HÖRPROBE Norbert Jacques Tochter erzählt (II) | | Thea von Harbou-Podcast - klicken Sie hier |
Ähnlich dem, wie die Tochter erzählt - der wir an dieser Stelle noch nachträglich ganz herzlich zum neunzigsten Geburtstag gratulieren möchten -, schrieb übrigens auch der Vater in seinen Memoiren von dem ungleichen Paar: "Eine andere Bekannte hingegen hatte sich aus freien Stücken in die Rassenmühle begeben und, früher Gattin eines nun emigrierten Filmregisseurs, heftete sie jetzt ihr Dasein an Ay [sic!], einen wirklich rabenschwarzen Inder. Sie hielt ihn sich in einer Villa in Zehlendorf wie ein heiliges farbiges Tier. Er ging auch des Sommers in einem weißen Flauschmantel, was die naziwidrige Dunkelheit seiner Haut noch besonders hervorleuchten lies. Aber sie wies Goebbels nach, er sei laut Wissenschaft ein Indogermane, ein Arier. Sie war glücklich, als sie ihren Freunden eines Tags in frommer Verzückung berichten konnte, Ays Großmutter habe ihr ihren Segen gegeben. Dann schritten sie dreimal um den Tisch herum, was, wie Haensel behauptete, in Indien die Form sei, in welcher man eine Heirat einging.“ - Norbert Jacques: Mit Lust gelebt. Roman meines Lebens. Kommentierte, illustr. u. wes. erw. Neuausg. Hrsg. v. Hermann Gätje u.a. St. Ingbert: Röhrig 2004. (Schriften der Saarländischen Universitäts- und Landesbibliothek. 9.) S. 401f.
METROPOLIS und gar kein Ende
Wie die ZEIT in ihrer aktuellen Ausgabe (4.7.) großartig berichtet, wird es, durch den nach vielen Jahren vergeblicher gezielter Suche nun überraschend-zufälligen Fund einer argentinischen Kopie von Metropolis aus dem Jahre 1928, doch noch möglich sein, den Torso des bisher einzig in das Weltdokumentenerbe der UNESCO aufgenommenen Werks systematisch filmisch zu ergänzen (siehe dazu die DVD-Studienfassung). Dabei läßt die Materialqualität der 16mm-Kopie, bei der es sich wiederum um die Kopie einer 35mm-Nitrokopie handelt, leider sehr zu wünschen übrig; jedoch gleichviel: Die bisher unbekannten Szenen motivieren für diejenigen Zuschauer, die mit dem Roman, den Thea von Harbou bekanntlich parallel zum Drehbuch strickte, nicht vertraut sind, Handlungszusammenhänge und konturieren Nebenfiguren, die bisher filmisch nur als reine Funktionsträger wahrgenommen werden konnten.
Allerdings findet sich in dem ganzen großen Bericht kein einziges kleines Wort auch nur von der Existenz Thea von Harbous, ja nicht einmal die Erwähnung als Fritz Langs nationalsozialistischer Frau: Wir sind stellvertretend entrüstet bzw. beleidigt! Aber davon ‚abgesehen’: Auf die neuen Szenen freuen wir uns nun ‚perspektivisch’! – Einige Photostrecken und Einzelbilder sind im ZEIT-Magazin Leben bereits jetzt einzusehen. Bemerkenswert bei dieser in der Tat in ihrem cineastischen Wert überragenden Entdeckungsgeschichte ist allerdings auch die journalistische Inszenierung als spannungsgeladene Enthüllungsgeschichte, inkl. einiger Photos von den diversen Tatorten: Eines zeigt bspw. die Überbringerin der Kopie im Flugzeug, dazu gesellt sich eine ganzseitige Abbildung der authentizitätsverbürgenden Experten im Vorführsaal, nach der Sichtung des Films. Korrespondierend dazu sind in den Bericht der Filmvorführung Reaktionsschilderungen der Abgelichteten montiert: überwältigend! - Dies hätte man so in einem Qualitätsmedium (siehe dazu vielleicht auch den Metropolis Courier in den Händen des Schmalen) eigentlich (noch) nicht für möglich gehalten. Aber es gibt eben Dinge, die sieht man erst sehr spät.
"M" im Berliner Maxim Gorki Theater
Berlin in Hysterie: Ein Kindermörder ist in der Stadt unterwegs. Die Polizei ist ratlos und greift erfolglos zu immer rigideren Kontrollen und Razzien. Davon gestört beschließt ein Kommando der Unterwelt, den Mörder auf eigene Faust zu jagen und stellt ihn schließlich vor ein Lynchgericht.  (Peter Kurth - Leinwand, vorne: Daniel Lommatzsch, Peter Moltzen; Foto: Thomas Aurin) Thea von Harbous und Fritz Langs Film "M" (1931) ist das Porträt eines Gejagten und das einer Gesellschaft der Jäger, der demokratisch legitimierten auf der einen und der kriminellen auf der anderen Seite. Nur zwei Jahre nach Erscheinen des Films gelang es den Nazis, Staatsgewalt und verbrecherische Demagogie zu einem System des Schreckens zu vereinen. „M“ zeichnet die Fieberkurve Berlins vor der Machtergreifung. Nach ihren großen phantastischen Filmen „Metropolis“ und „Die Nibelungen“ wollten Thea von Harbou und Fritz Lang mit ihrem ersten Tonfilm ein „Dokument der Zeit“ schaffen, ein möglichst genau recherchiertes Bild der Stadt Berlin. Dass sie sich dafür das Sujet des Serienmordes wählten, spricht für die Zeit, die sie dokumentieren wollten. Vorbild für „M“ waren die Morde des „Düsseldorfer Vampirs“ Peter Kürten, deren beispiellose Brutalität eine ebenfalls bis dato nicht gekannte Medienhysterie auslöste. Wie gehen wir mit den dunklen Stellen in unserem kollektiven moralischen Bewusstsein um? Die Beteiligten an „M“, der zum erfolgreichsten deutschen Film bis heute avancierte, zogen 1933 sehr unterschiedliche Schlüsse aus der realen Präsenz des von ihnen Vorgezeichneten: Der Regisseur Fritz Lang und der Hauptdarsteller Peter Lorre flohen ins Exil, während Gustaf Gründgens und die Drehbuchautorin Thea von Harbou unter dem Hakenkreuz ihr jeweiliges Schaffen erfolgreich fortsetzten. In seinem Projekt „M-Eine Stadt sucht einen Mörder“ geht Regisseur Stefan Pucher den seismografisch genauen Beobachtungen des Films und der gegensätzlichen Bewegung dieser Künstlerbiografien nach und zeigt "M" als einen zeitgenössischen Stoff über Paranoia, Gewalt und die Inszenierung von Justiz. Es spielen: Michaela Steiger; Peter Kurth, Daniel Lommatzsch, Peter Moltzen Regie: Stefan Pucher Bühne: Barbara Ehnes Kostüme: Annabelle Witt Musik: Marcel Blatti Video: Chris Kondek Die Premiere ist am 10. Juni 2008 um 19.30 Uhr im Maxim Gorki Theater Berlin. Weitere Vorstellungen am 12., 13., 14., 15., 16., 23., 24., 27. und 30. Juni 2008.
Der Multitasking frönenden Jugend zur Warnung
Denke Dir, ich hatte mir das Haar gewaschen und sass in meinem Wohnzimmer an der Schreibmaschine, wo ich an einer Novelle arbeitete und hatte die Spiritusmaschine auf die Spiegelkonsole gesetzt und die Schere aufgelegt, und auf einmal fliegt die ganze Geschichte ohne die geringste Veranlassung in die Luft. Mein Haar brannte, alles Papier, was auf dem Sessel neben mir lag, der Teppich und ein Fell, kurz, alles, was von dem sprühenden Spiritus getroffen worden war. Du kannst Dir meinen Schreck denken. Ich weiß nicht, wie ich alles so schnell löschen konnte. Und die Hauptsache – 18 Blätter meines kostbaren Manuskriptes total vernichtet. Ich hatte eine sogenannte Sauwut.
(aus einem Brief Thea von Harbous an ihre Mutter vom 8. 6. 1914)
Zu Gast im Hause Harbou
Willkommen zu einer Reise in die Geschichte, genauer gesagt in die Vergangenheit Thea von Harbous, kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs: Nachdem das 'zwölfjährige Reich' in Schutt und Asche lag und weltweit etwa 60 Millionen Tote zu beklagen waren, flüchtete sich das deutsche Volk vor dem Grauen der Vergangenheit in die Zukunft: Der Wiederaufbau des zerstörten Deutschlands begann mit erstaun-licher Geschwindigkeit; die ehemalige Großverdienerin Thea von Harbou arbeitete u. a. als Trümmerfrau in Berlin an diesem Aufbau mit. Zuvor war sie – im Herbst 1945 – aus dem britischen Internierungslager Staumühle in der Nähe von Paderborn entlassen und mit einem Berufsverbot belegt worden. – 1949 wurde sie in ihrem Entnazifizierungsbescheid dann als „'vom NS-Regime unbelastet'“ eingestuft.
Gegen Ende des Jahres 1945 aber bekam Thea von Harbou Besuch von dem damals siebenjährigen Vinayak Tendulkar, einem Neffen ihrer großen Liebe Ayi Tendulkar. – Ihrem Engagement für Inder und Indien blieb sie also auch nach dem Krieg treu, auch wenn ihre Mittel nun bei weitem nicht mehr an die vorangegangener Zeit heranreichten. – Vinayak Tendulkar jedenfalls fand im Haushalt der kinderlosen Thea von Harbou in der Berliner Frankenallee Aufnahme, wurde dort versorgt und erzogen: In einer Zeit des Mangels legte die deutschnationale Offizierstochter besonderen Wert auf den Sinn für Ordnung und Disziplin ihres Schützlings, nicht immer zu dessen Freude...
Darüber hinaus weiß Vinayak Tendulkar, der mit seinen Eltern auch während des Krieges in Berlin lebte, u. a. von einem Ereignis zu berichten, daß ein Licht auf Thea von Harbous Verhalten im Nationalsozialismus zu werfen vermag: Einerseits zeigt es ihre Zivilcourage und ihr Engagement für 'ihre Inder', andererseits wirft es aber auch ein Licht auf ihre Einflußmöglichkeiten, die aus einer gewissen Nähe zur Macht bzw. den Mächtigen resultierten. HÖRPROBE Zwischen Zivilcourage und Nähe zur Macht | | Thea von Harbou-Podcast - klicken Sie hier |
Mehr zu diesen Themen lesen sie in meiner in etwa im Sommer des kommenden Jahres erscheinenden Dissertation Der Krieg und die Frau.
DAS INDISCHE GRABMAL ist als Hörbuch erschienen!
Das Abenteuer einer großen Liebe, einer phantastischen Reise, eines Verbrechens aus Leidenschaft und einer so atemberaubenden wie surrealen Flucht – das alles steckt in Thea von Harbous 1918 erschienenem Roman Das indische Grabmal, der jetzt als Hörbuch erscheint.
Der insgesamt dreimal verfilmte Stoff, der heute v. a. noch durch die Version von Fritz Lang populär ist, entführt seine Hörerinnen und Hörer in die sagenumwobene Traumwelt des fernen, vergangenen Indiens und hält mancherlei spannende Überraschung bereit. Das indische Grabmal bildet den Auftakt zu der Reihe Filme zum Hören, die im Verlag von MEDIA Net-Kassel erscheint und darauf zielt, die literarischen Werke, die hinter populären Filmklassikern stehen, in neuer Form in den Blick zu nehmen bzw. diesen Gehör zu verschaffen. HÖRPROBE Das indische Grabmal | | Thea von Harbou-Podcast - klicken Sie hier |
Die Lesung des Schauspielers und Regisseurs Rudolf Marnitz folgt dem ungekürzten Text der Erstausgabe, der jedoch an einigen wenigen Stellen dem heutigen Sprachgebrauch angepaßt wurde. Ein Formular um das Hörbuch zu bestellen, finden Sie hier. Dieses Formular kann auch direkt online ausgefüllt und via E-Mail gleich wieder zurückgeschickt werden.
Eine große Liebe
Die indische Autorin Laxmi Dhaul erzählt in den nachfolgen Zeilen von ihrem Vater Ayi Tendulkar, der in den dreißiger Jahren mit Thea von Harbou in Berlin liiert bzw. nach hinduistischem Brauch mit ihr verheiratet war. Das Photo zeigt das Paar in jenen glücklichen Tagen, von denen auch Thea von Harbous zeitweilige Sekretärin Michaela Sarma zu berichten weiß. - Die vorliegendene, kleine biographische Skizze streift aber auch das bemerkenswerte Verhältnis von Thea von Harbou und der Mutter von Frau Dhaul. – Sie erzählt darüber hinaus vom indischen Freiheitskampf und weiß ferner von den Bedingungen einer Eheschließung zu berichten, wie sie ihren Eltern in Gandhis Ashram auferlegt wurden… My Father Dr Ayi Tendulkar died in 1975, when I was just 20 years old. I have several memories when he spoke of Thea von Harbou with great affection and regard. He always said that meeting her had been a turning point not only in his life but also became the fulcrum of many others too. He would always talk about her large hearted generosity. When they met in 1932 my Father was pursuing a doctorate in statistics. Thea von Harbou insisted on his pursuing a program in Mechanical Engineering as well as she felt that once India obtained independence from the British Raj there would be a tremendous requirement for industry etc. I think my Father also worked with AEG and then Siemens between 1936 and 1938. He returned to India in December 1938.
On his return he went to Belgaum, which in spite of being a small town was extensively fortified by the British due to its proximity to Goa. Goa, at that time was a Portuguese colony. My Fathers experience in the field of journalism through his work at the Berliner Tageblatt came in handy when he returned to India. He started a local Marathi paper called “Varta”.
Always outspoken, the British Commissioner in Belgaum had to warn him several times, to be careful. Tendulkar had been in Germany for so long that the British kept him under tight surveillance. He had once offended the British by hoisting the tricolour flag of the Indian Congress party, from the roof top of his house, despite warnings.
Wie die Geschichte weiterging, erfahren sie hier.
Informationen über Laxmi Dhaul und ihre Arbeit finden sie unter: http://laxmidhaul.com/
Making of: Das indische Grabmal. Ein phantastisches Hörbuch
„Ich habe die Frau verloren, die nahe an meinem Herzen gelegen hat, und ich will ihr ein Grabmal errichten, dessen Schönheit ihrer Schönheit gleichen soll. Ich will, daß dieses Grabmal von dem Manne gebaut wird, unter dessen Händen der weiße Marmor zu weißen Spitzen wird, von dem Gärtner der Blumen, die aus Edelsteinen gemacht sind. Ich bitte ihn, aufzustehen, wenn er liegt oder sitzt, fortzulegen, was er in Händen hält, und zu mir zu kommen. Die Jahre sind nichts, wenn das Werk gut ist. Ich biete ihm für die Erfüllung meines Wunsches die Summe von einer Million Pfund in Gold. Er möge sich meinem Diener anvertrauen. Seine Treue steht auf meinem Haupte. Nimm, wessen du bedarfst. Alles ist dein.“
So schreibt Arada, der unendlich reiche und so mächtige wie skrupellose Fürst von Eschnapur, als er den deutschen Architekten Michael Fürbringer durch den Diener Ramigani auffordert, seiner Geliebten ein Grabmal zu bauen, daß seinesgleichen nicht hat auf Erden – und das er für eine lebendige Frau bauen lassen will...
Dieser - insgesamt dreimal verfilmte - Roman Das indische Grabmal von Thea von Harbou, der heute insbesondere noch durch die 1959er Version von Fritz-Lang bekannt ist, entsteht zur Zeit als Hörbuch in den Berliner SDM-Tonstudios (http://sdm-studio.de/home.html) von Sven Dohrow, der auch als Musiker bekannt ist (http://www.the-twins.de/pages/home_d.htm).
Gelesen wird der ungekürzte Text der Erstausgabe, der lediglich an einigen wenigen Stellen dem heutigen Sprachgebrauch angepaßt wurde, von dem erfahrenen Schauspieler und Regisseur Rudolf Marnitz, der mit seiner variantenreichen und ausdrucksstarken Alterstimme zu fesseln vermag.
Norbert Jacques’ Tochter erzählt (I)
 Norbert Jacques (1880-1954), der einmal ein bekannter Romancier, Reiseschriftsteller, Essayist und Übersetzer war, wird heute wohl nur noch durch seine literarische Figur des Meisterverbrechers Dr. Mabuse erinnert. Der Machtmensch Mabuse, der in diversen Verfilmungen vierzig Jahre lang auf deutschen Kinoleinwänden sein Unwesen trieb, begann seine 'cineastische Unterweltkarriere' mit der (zweiteiligen und gleichnamigen) Verfilmung des Romans Dr. Mabuse der Spieler durch Fritz Lang und Thea von Harbou im Jahr 1922. Für Harbou und Lang spielte der Mabuse-Stoff dann elf Jahre später noch einmal eine große Rolle: Mit dem vom Propagandaministerium verbotenen Nachfolgefilm Das Testament des Dr. Mabuse endete im Jahr 1933 nicht nur ihre filmische Zusammenarbeit, sondern auch ihre Ehre zerbrach endgültig. Für Fritz Lang war es sein letzter Film in Deutschland, bevor er Ende 1933 nach Frankreich emigrierte. Über die Arbeit an dem ersten Mabuse-Film ergab sich auch eine Freundschaft zwischen den Familien Jacques und Lang; insbesondere Norbert und Fritz blieben einander über die Jahre verbunden. Von dieser Zeit weiß nun die heute beinahe neunzigjährige Jacqueline (Aurikel) Hannighofer zu berichten, die Lang in ihrer Kindheit bzw. Jugend persönlich kennenlernte und 1935 auch über einige Monate hinweg im Harbouschen Haus in Berlin-Dahlem verkehrte. HÖRPROBE Norbert Jacques’ Tochter erzählt (I) | | Thea von Harbou-Podcast - klicken Sie hier |
In dem im Januar 2007 aufgezeichneten Interview kommt sie neben Thea von Harbou, Ayi Tendulkar und Fritz Lang auch auf ihren Vater zu sprechen. In dem hier vorliegenden Gesprächsausschnitt erinnert sie sich an die Zeit, als sie ein junges Mädchen war und der berühmte Regisseur im Hause ihrer Eltern verkehrte. Weitere Gesprächsausschnitte aus dem Interview werden hier in loser Reihenfolge erscheinen.
Vergessene Drehbucharbeiten (1944): DAS LEBEN GEHT WEITER
Unter dem Titel ‚Unbeugsam. Einig. Bereit’ und mit der Unterzeile ‚Das Leben geht weiter’ erschien am 16. April 1944 in der Wochenzeitung ‚Das Reich’ ein Leitartikel von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels. Artikel und Unterzeile wurden - auf Anweisung von Goebbels selbst - Vorgabe für ein Filmprojekt, das in die Annalen der deutschen Filmgeschichte als letzter Propagandafilm des ‚Dritten Reichs’ eingegangen ist.
Zum ersten Mal sollte in diesem Durchhalteepos der tägliche Horror in den zerbombten deutschen Städten gezeigt werden - aber auch wie sich das deutsche Volk ‚ungebrochen’ wieder aus den Ruinen erhebt. Die Dreharbeiten von DAS LEBEN GEHT WEITER (Ufa-Produktionsnummer 205) begannen im November 1944 und sollten bis in den März 1945 hinein dauern. Der Streifen wurde aber nie fertig gestellt und das bereits gedrehte Film-Material gilt heute weitgehend als verschollen. Im Bundesarchiv-Filmarchiv werden zwei Rollen mit Material des Films aufbewahrt. Auf der einen (nur Ton) sind mehrere Takes einer Dialogszene zu hören, auf der anderen befinden sich mehrere Takes von Rückpro-Einstellungen. Sie zeigen einen Bombenangriff über dem nächtlichen Berlin. Letztere sind in der Dauerausstellung des Filmmuseums Potsdam auf einem Monitor zu sehen (diese Hinweise auf das noch vorhandene Material verdanken wir Guido Altendorf vom Filmmuseum Potsdam). Weitere Informationen über dieses Propagandaprojekt und den Anteil von Thea von Harbou daran finden Sie hier.
Backfischgedichte
 Am 27. Dezember 1902 – an ihrem dreizehnten Geburtstag – fand Thea von Harbou ein kleines Buch auf ihrem Gabentisch (so schreibt sie in einem Brief an einen Literaturkritiker): Ein Geschenk von ihren Freunden, die ihre bisher nur im privaten Kreis verbreiteten Gedichte sammelten und bei einem lokalen Verlag drucken ließen. Dabei darf davon ausgegangen werden, daß dies nicht ohne die tätige Mithilfe der engagierten Mutter Clotilde von Harbou vonstatten ging. Ein gewisser (Dresdener) Redakteur Hermann Schnauss steuerte zudem ein Vorwort bei, das die lyrischen Werke den – nicht dem privaten Umkreis zuzurechnenden – Rezipienten als Kinder- und Backfischgedichte zu erkennen gab. Von dieser zweiundfünfzig Gedichte umfassenden Anthologie sind heute unseres Wissens nur noch zwei Exemplare vorhanden: Das vorliegende ist von Thea von Harbou mit einigen Widmungszeilen versehen und gehörte ihrem älterem Bruder Horst von Harbou, der mit seiner Schwester (er wirkte als Standphotograph) auch beim Film zusammenarbeite. Das Werk befindet sich heute in Familienbesitz. Daß der Band schon früh vergriffen war, liegt übrigens an Thea von Harbou selbst: Sie zog nämlich die „Kindergedichte“ (Thea von Harbou) vom Markt zurück, weil sie „diese gesammelten Jugendsünden“, die sie im Alter von elf bis vierzehn Jahren schrieb, nicht zu ihrem Werk gezählt wissen wollte. Offiziell begann Harbous Karriere als Literatin also mit dem 1905 in der Deutschen Roman-Zeitung abgedruckten Roman Wenn’s Morgen wird. Ganz gegen ihre eigene Intention also finden Sie hier eine Kostprobe der Dichtkunst des Backfisches. Ausführlich besprochen wird der Gedichtband in meiner im April 2009 erscheinenden Dissertation Der Krieg und die Frau.
Thea von Harbou und 'ihre Inder': Karitatives Wirken im Zweiten Weltkrieg
von Dr. Lothar Günther, Berlin Nach einer ersten, einer literarischen Berührung mit Indien - in ihrem 1918 erschienen phantastisch-abenteuerlichen Roman Das Indische Grabmal - kam es 16 Jahre später für Thea von Harbou zu einer zweiten, einer realen Berührung mit Indien und einem Inder: Gut 16 Jahre jünger war der gut aussehende, kluge und charmante indische Doktorand Ayi Ganpath Tendulkar, den sie Anfang 1933 in Berlin kennen lernte. Der Sohn eines Brahmanen, 1905 in Belgunde nahe Bombay geboren, war 1927 nach Deutschland gekommen und hatte sich an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin für die Fächer Philosophie und Mathematik eingeschrieben. 1930 stellte er aber dann den Antrag auf eine Promotion im Fach Staatswissenschaften. Als Anhänger Gandhis und Unterstützer des Freiheitskampfes gegen die britische Kolonialherrschaft wirkte er als Sachverständiger für Indienfragen im Mitarbeiterkreis der Weltbühne. Das beginnende Liebesverhältnis zwischen der prominenten Drehbuchautorin und dem indischen Studierenden fiel somit genau in die Zeit des Regierungsantritts der Nationalsozialisten. Da Thea von Harbous Ehe mit dem Regisseur Fritz Lang nur noch auf dem Papier bestand und dieser schon lange mit anderen Frauen liiert war, war die Scheidung im Frühjahr 1933 eine Formalität, die jedoch einer Begründung bedurfte, die Thea von Harbou auf sich nahm: Sie wurde schuldig geschieden. Frau von Harbou konnte nun jedoch mit A. G. Tendulkar zusammenziehen. Es war durchaus mutig von Thea von Harbou, in dieser Zeit, in der es bereits zahlreiche rassistische Übergriffe gegen Inder und indische Einrichtungen in Deutschland gab, sich öffentlich zu einem Ausländer zu bekennen.
Weitere Informationen finden sie hier.  [Das Bild zeigt Thea von Harbou und Michaela Purzner (verh. Sarma) mit Berliner Indern bei einer Geldsammlung (für das Winterhilfswerk?) vor dem Sportpalast am 29. 3. 1941.]
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