1.8.06

DVD-Studienfassung von METROPOLIS

Unter der Regie von Enno Patalas ist an der Universität der Künste Berlin eine DVD-Studienfassung des Filmklassikers METROPOLIS erschienen. Das wegweisende Projekt nutzt die "DVD als Medium kritischer Filmedition" und "steht als Studienausgabe aus editionsphilologischer Sicht zwischen einer historisch-kritischen Ausgabe und einer Leseausgabe". Die Studienfassung trägt somit der nur fragmentarischen Überlieferung des als erstem Film in das Unesco Weltkulturerbe aufgenommenen METROPOLIS Rechnung.

Weitere Information zu der DVD und das Bestellformular für die wissenschaftliche Nutzung der Studienfassung finden sich unter http://www.filminstitut.udk-berlin.de/MKF/html/pages/filme/metropolis.html

Kommentare:

Dr. Reinhold Keiner hat gesagt…

In einem Artikel von Joseph Garncarz, ‚Forscherglück’, abgedruckt in der ‚Frankfurter Rundschau’, 06.04.2006, ist über die DVD METROPOLIS u. a. zu lesen: „Die so genannte Studienfassung von Metropolis, die auf der Rekonstruktion von 2001 beruht, zielt nicht auf ein ungebrochenes filmisches Erlebnis, sondern auf Erkenntnis. Sie überbrückt die Lücken des Films nicht, sondern stellt sie aus, indem eine graue Bildfläche gezeigt wird. Zum besseren Verständnis werden die Lücken durch Informationen ergänzt: auf grauer Fläche liest man die Einsatzstichworte zur Musik von Gottfried Huppertz, kurze Angaben zur Handlung (soweit aufgrund des Drehbuchs nachvollziehbar), die Zwischentitel (die aus der Zensurkarte bekannt sind) und sieht auch Stand-oder Werkfotos zu den jeweiligen Szenen. […] Das Projekt ‚DVD als Medium kritischer Filmedition’ ist innovativ und bisher einzigartig. Indem sie den Film als Torso präsentiert, setzt die neue Metropolis-Edition Standards filmwissenschaftlicher Editionsphilologie.“

Andre Kagelmann hat gesagt…

Die Vorgabe, daß die Studien-DVD zwischen historisch-kritischer Ausgabe und Leseversion vermitteln solle, ist m. E. vollends geglückt: METROPOLIS in der hier vorliegenden Form irritiert zwar zunächst, weil mit unseren Sehgewohnheiten gebrochen wird, ermöglicht dann aber eine aktive Aneignung des Kunstwerkes über variantenreiche Wege, auf denen es immer wieder Neues zu entdecken gilt: Die Studien-DVD wird so zu einem virtuellen Lesebuch, das jedesmal eine etwas andere Geschichte von dem Filmtorso METROPOLIS zu erzählen vermag.

Eine perspektivische Erweiterung könnte das Projekt noch durch die Synopsis mit dem parallel entstandenen Roman Thea von Harbous erfahren, was m. E. gerade für die Lacunae sehr ergiebig wäre. Dies würde zudem noch tiefere Einblicke in die Konzeption des Filmes ermöglichen, beispielsweise über die Frage nach der Funktion von Handlungssträngen, die im Film nicht oder anders als im Roman vorhanden sind.