3.8.06

METROPOLIS ein Plagiat? (Teil 3)

22. Februar 1929: endlich Sühnetermin vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte. Der Anlass: eine Privatklage der fast vollständig unbekannten Schriftstellerin Wanda Döbbecke gegen die Autorin Thea von Harbou, den Regisseur Fritz Lang und die Filmgesellschaft Ufa. Der Grund der Klage: Nicht nur der Name des Films METROPOLIS stimme mit einem Manuskript von Wanda Döbbecke überein, auch der Inhalt wäre so ähnlich, dass von einem Plagiat gesprochen werden müsse.
Die Drehbuchautorin Thea von Harbou erzählte beim Sühnetermin die Entstehungsgeschichte von METROPOLIS, wie sie in Gemeinschaft mit ihrem Mann Fritz Lang auf die Idee des Films und vor allem auch auf den Namen gekommen sei. Sie gab die Erklärung ab, dass sie von dem Manuskript ‚Metropolis’ der Frau Döbbecke weder etwas gehört noch gesehen habe.
Den Titel METROPOLIS habe man nach langen Überlegungen und nach Ablehnung von zwei anderen durch Fachleute wegen seiner Internationalität gewählt. Ihr sei nur ein Upton Sinclair-Buch gleichen Namens bekannt gewesen; der betreffende Verlag hätte sich nach Rücksprache mit dem Filmtitel einverstanden erklärt. Das Drehbuch habe eine ganze Anzahl von Etappen durchlaufen. Wenn auch in dem Manuskript von Frau Döbbecke wie in dem Film die sozialen Gegensätze gezeigt würden, so sei dies kein Gegenbeweis, denn es habe in den letzten zehn Jahren wohl keinen ernsten, modernen Film gegeben, wo das nicht der Fall gewesen wäre. (Vgl.: E.v.B.: Dreimal „Metropolis“. Thea von Harbous Drehbuch. In: ‚Film-Kurier’ (Berlin). Nr. 48, 23.02.1929)
Die Gegenpartei - so meldeten es die ‚Ufa-Nachrichten’ (Berlin). Nr. 29, 22.02.1929 - war beim Sühnetermin nicht in der Lage, irgend ein Gutachten vorzulegen, hinsichtlich einer eventuellen Ähnlichkeit zwischen dem Manuskript von Frau Döbbecke und dem Thea von Harbou-/Fritz Lang-Film. Am Ende des Termins legte das Amtsgericht Wanda Döbbecke und ihrem Rechtsanwalt Dr. Frey nahe, die Klage zurückzuziehen, was beide aber ablehnten. Die Verhandlung wurde geschlossen und die Verkündung der Entscheidung, ob dem Verfahren weiter Folge gegeben werden soll, für die nächsten Tage in Aussicht gestellt. (… wird fortgesetzt)

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