9.8.06

METROPOLIS ein Plagiat? (Teil 4)

Bereits Anfang März 1929 fällte das Amtsgericht Berlin-Mitte seine endgültige Entscheidung in der Privatklage Wanda Döbbecke gegen die Drehbuchautorin des Films METROPOLIS, Thea von Harbou, den Regisseur des Films, Fritz Lang, und die Filmgesellschaft Ufa, die ihn produziert hatte. Wanda Döbbecke, unbekannte, erfolglose Schriftstellerin, hatte behauptet, der Film METROPOLIS sei ein Plagiat, basiere auf einem Manuskript gleichen Titels von ihr.
Das Gericht wies die Privatklage als unzulässig kostenpflichtig zurück. In seiner Begründung führte es an, dass die Klage gegen die Filmgesellschaft Ufa schon aus dem Grunde unzulässig sei, weil eine juristische Person als solche im ordentlichen Strafverfahren nicht verfolgt werden könne. Die Privatklage gegen die Beschuldigten sei auch deshalb abzulehnen, weil die Antragsfrist gemäß § 61 des Strafgesetzbuches versäumt worden sei. Es stehe fest, dass die Privatklägerin bereits erheblich früher als drei Monate vorher von Tat und Täter ausreichend Kenntnis gehabt habe. (Vgl.: Klage gegen Metropolis abgewiesen. In: Kinematograph (Berlin). Nr. 55, 06.03.1929)
Wanda Döbbecke ließ aber in der Verhandlung nicht locker und behauptete daraufhin, sie habe die volle Gewissheit von der Tatsache eines Plagiats erst durch ein Sachverständigen-Gutachten vom 8. April 1928 erlangt. (Vgl.: Die Plagiat-Klage gegen Frau von Harbou abgewiesen. In: Ufa-Dienst (Berlin). Nr. 12, 06.03.1929) Trotz wiederholten Ersuchens des Gerichts lehnte es aber der Prozessbevollmächtigte von Wanda Döbbecke, Rechtsanwalt Dr. Frey, ab, dass bei seinen Akten befindliche Gutachten vorzulegen.
‚Viel Lärm um nichts’, so kann man das Fazit nach den beiden Gerichtsterminen, dem Plagiat-Vorwurf, ziehen. Für Wanda Döbbecke war es sicherlich eine willkommene Gelegenheit, mehr auf sich aufmerksam zu machen - allerdings letztendlich ergebnislos, da sie auch weiterhin erfolglos als Schriftstellerin arbeitete. Ihre Niederlage bei Gericht, besonders gegen die Autorin Thea von Harbou, verwand sie so schnell nicht; bereits im Sommer des gleichen Jahres verbreiteten sie und ihr Rechtsanwalt die Meldung eines polnischen Blattes, dass Thea von Harbou für ihren neuesten Film DIE FRAU IM MOND einen von dem polnischen Schriftsteller Jerzy Zulawski verfassten Roman, ‚Auf silbernen Gefilden’, plagiiert habe. (Vgl.: Felix der Kater (Revue des Monats): Hetze gegen Fritz Lang und Thea v. Harbou. In: Die Filmbühne. Heft 7, Juli/August 1929)

1 Kommentar:

Aitam Bar-Sagi hat gesagt…

Correction: The name of Polish author should be Jerzy Żuławski (or Jerzy Zulawski), not Jerzy von Zutawski. See here under "The Lunar Trilogy": Information