10.9.08

Norbert Jacques’ Tochter erzählt (II)

Kaum gönnen wir Ihnen eine Pause zum Atemholen, schon geht es in unserer am 23. April 2007 so hoffnungsvoll begonnenen Audioreihe weiter: Mit Das Testament des Dr. Mabuse endete, wie damals schon gesagt, im Jahr 1933 Fritz Langs und Thea von Harbous gemeinsames Eheprojekt, das schon lange nur noch eine reine Filmgemeinschaft war. - Wer übrigens wissen will, wie es garantiert nicht gewesen ist, der greife zu Howard A. Rodmans lesenswertem Roman Langopolis.

Der Regisseur jedenfalls hatte in der Zwischenzeit u.a. mit Gerda Maurus, der Frau im Mond, angebändelt, während seine spätere Exautorin die große Liebe ihres Lebens kennenlernte, den in Berlin promovierenden Inder Ayi Tendulkar. Der fläzte sich, als Jacqueline Hannighofer die Berliner Villa Harbous betrat, um Madame zu kosmetisieren, mitunter lässig auf dem Nibelungenbette.

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Norbert Jacques Tochter erzählt (II)
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Ähnlich dem, wie die Tochter erzählt - der wir an dieser Stelle noch nachträglich ganz herzlich zum neunzigsten Geburtstag gratulieren möchten -, schrieb übrigens auch der Vater in seinen Memoiren von dem ungleichen Paar: "Eine andere Bekannte hingegen hatte sich aus freien Stücken in die Rassenmühle begeben und, früher Gattin eines nun emigrierten Filmregisseurs, heftete sie jetzt ihr Dasein an Ay [sic!], einen wirklich rabenschwarzen Inder. Sie hielt ihn sich in einer Villa in Zehlendorf wie ein heiliges farbiges Tier. Er ging auch des Sommers in einem weißen Flauschmantel, was die naziwidrige Dunkelheit seiner Haut noch besonders hervorleuchten lies. Aber sie wies Goebbels nach, er sei laut Wissenschaft ein Indogermane, ein Arier. Sie war glücklich, als sie ihren Freunden eines Tags in frommer Verzückung berichten konnte, Ays Großmutter habe ihr ihren Segen gegeben. Dann schritten sie dreimal um den Tisch herum, was, wie Haensel behauptete, in Indien die Form sei, in welcher man eine Heirat einging.“ - Norbert Jacques: Mit Lust gelebt. Roman meines Lebens. Kommentierte, illustr. u. wes. erw. Neuausg. Hrsg. v. Hermann Gätje u.a. St. Ingbert: Röhrig 2004. (Schriften der Saarländischen Universitäts- und Landesbibliothek. 9.) S. 401f.

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